Die unsicht-Bar – oder wie ich meine Angst vor der Dunkelheit verlor

Anfang des Jahres stand ein Besuch in der unsicht-Bar, einem sogenannten “Dunkelrestaurant”, an. Mein Freund hatte den Besuch vorgeschlagen.

In einem Dunkelrestaurant isst man in völliger Dunkelheit.
Das Essen wählt man von einem Menü im hellen Vorraum aus. Allerdings wird da nicht genau beschrieben was es zu essen gibt – die Info bekommt man erst nach dem Essen.
Im Speiseraum ist nichts leuchtendes erlaubt – kein Handy, nicht mal eine Uhr mit fluoreszierenden Zeigern. Dadurch ist bereits etwas alltägliches, wie das Trinken, ein ganz besonderes Erlebnis.

Ich habe seit meiner Kindheit Angst vor der Dunkelheit. Nachts musste bei mir immer die Tür einen Spalt weit offen stehen. Und vor der Dunkelheit im Treppenhaus rannte ich voller Panik weg.
Dazu kam die Konfrontation mit einer ganz anderen Dunkelheit: der möglichen Erblindung. Ist man an einer Uveitis erkrankt, so führt diese unbehandelt meist zu einer Erblindung (zumindest bei einem Verlauf wie dem meinen).
Die Aussicht, eventuell zu erblinden, hat mich seit Uves Einzug gelähmt. Für mich war immer klar, dass dann mein Leben vorbei sein wird, dass dann das Leben nicht mehr lebenswert ist.

Bis letzte Woche.

Bereits zwei Stunden vor dem Essen war ich total nervös und aufgeregt. Ich hatte Angst, dass ich in dem Restaurant die Nerven verliere und einen Heulkrampf bekomme.
Glücklicherweise begleitete mich mein Freund – dadurch fühlte ich mich schon viel sicherer.

Bei der unsicht-Bar angekommen, wählten wir im hellen Vorraum unser Menü aus. Es ist zwar eine Karte – aber es steht nicht genau drauf, was man serviert bekommt.
Anschließend wurden wir von Manuel, unserem Kellner, mit einer Polonaise durch den stockdunklen Raum an unseren Platz geführt.
Nachdem wir uns setzten und Bekanntschaft mit unseren Nachbarn gemacht hatten, gewöhnten wir uns langsam an die Dunkelheit.

Meine erste Beobachtung: die Dunkelheit ist unglaublich nah.

Doch es fühlte sich nicht eng und einschneidend an – sondern einfach nur anders. Alle Sinne weiteten sich aus und erfühlten den Raum um uns herum.
Durch die vollkommene Dunkelheit lag die volle Konzentration auf unserem Gehör. Dadurch war die Kommunikation mit den anderen Tischen eine völlig andere. Wir lachten über mehrere Tische hinweg zusammen und auch Manuel, unser Kellner, machte Witze über den ganzen Saal hinweg.
Das Essen war ein Abenteuer für sich – es ging alles viel leichter, als man das erwarten würde! Überraschenderweise hatten wir uns innerhalb von 2-3 Minuten die genaue Position unseres Geschirrs, der Getränke und des Essens gemerkt.
Letztendlich waren wir über zwei Stunden im Restaurant. Es war ein wunderbares Erlebnis, dank dem ich eins gelernt hab:

Es gibt immer einen Weg.

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