Schau mir in die Augen, Kleines…

…bekommt bei regelmäßigen Arztbesuchen eine etwas andere Bedeutung.

Als Uveitis-Patient/-in sind regelmäßige Besuche bei den Ärzt(inn)en des Vertrauens ein Teil des Alltags. Die Häufigkeit der Termine ist sehr unterschiedlich. Als ich noch Cortison genommen habe, war ich mindestens alle zwei Monate beim Arzt, seit ich auf Humira umgestiegen bin, ist es weniger. Meistens alle 3 Monate, manchmal ist der Abstand auch noch länger.


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Für eine Untersuchung an einer Uniklinik sollte man immer einen ganzen Tag einplanen. Je nach Klinik können alle Untersuchungen innerhalb 1,5h oder 6h abgeschlossen sein. Besonders zäh ist meist, dass man nach der Voruntersuchung nicht mehr lesen kann, weil die Augen weit getropft sind. Ich habe das Glück, zu jeder Untersuchung begleitet zu werden. Dadurch vergeht die Zeit schneller und man kann sich am Ende entweder gemeinsam über den guten Befund freuen oder sich gemeinsam Halt geben, wenn es mal einen Rückfall gegeben hat.

Typischerweise ist so ein Kliniktag in vier Untersuchungseinheiten gegliedert. Als erstes  kommt die Voruntersuchung

Voruntersuchung

Bei dieser Untersuchung wird die Sehkraft gemessen und der Augeninnendruck.

Die Sehkraftsuntersuchung läuft eigentlich immer gleich ab, egal, ob man an einem digitalen Gerät sitzt oder am anderen Ende des Raumes von einer Tafel / Projektionsfläche vorliest. Es sind immer Zahlen und Buchstaben, die man erst vorliest und dann irgendwann rät (so ist es zumindest bei mir 😉 )

Beim Augeninnendruck gibt es verschiedene Messverfahren, ich habe bisher mit zwei zu tun gehabt. Das eine ist ein berührungsloses Verfahren, die sogenannte Non-Contact-Tonometrie. Hierbei wird aus einem Gerät ein kleiner Luftimpuls ans Auge gepustet. Meistens erschrickt man dabei ziemlich, ich zucke jedes Mal zusammen. Durch diesen Luftimpuls wird die Hornhaut bis zu einem bestimmten Niveau abgeflacht. Die Kraft, die dafür benötigt wird, ergibt in der Folge den Augeninnendruck.
Das andere Verfahren wird Goldmann-Applanationstonometrie genannt.  Dabei wird erst das Auge durch Tropfen betäubt, die zum einen brennen und zum anderen gelb sind. Diese Augentropfen fluoreszieren. Kurz darauf setzt man sich vor die Spaltlampe, wo an einem dafür vorgesehenen Arm ein Sensor befestigt ist. Dieser Sensor wird von dem/der Behandelnden mit Hilfe der fluoreszierenden Tropfen eingestellt.
Falls Du dich genauer für die verschiedenen Messverfahren interessierst, findest Du hier dazu mehr.

Nach diesen Untersuchungen werden dann die Augen weit getropft, so dass man innerhalb kürzester Zeit nichts mehr lesen kann. Diesem Umstand ist es auch geschuldet, dass es erst vier Stunden nach dem Tropfen erlaubt ist, wieder Auto zu fahren.

Anschließend kommt je nach Vorgeschichte als nächster Untersuchungsschritt dann das OCT.

Optical Coherence Tomography (OCT)

Mithilfe des OCTs kann festgestellt werden, ob ein Makulaödem vorliegt. Diese Tatsache entscheidet oft, ob ein zusätzliches OCT durchgeführt wird, oder nicht. Bei mir wird diese Untersuchung immer durchgeführt, da das Makulaödem trotz Humira (noch!) nicht kontrollierbar ist.

Diese Untersuchung läuft je nach Gerät unterschiedlich ab, es gibt verschiedene Hersteller, deren Messverfahren sich immer ein bisschen unterscheiden.
Meistens setzt man sich vor das Gerät, schaut auf einen blauen Punkt und darf sich nicht bewegen. Sobald der richtige Winkel gefunden ist, wird die Aufnahme von dem / der Behandelnden ausgelöst. Es gibt pro Auge in der Regel mindestens zwei verschiedene Aufnahmen, die getätigt werden. Beim einen fährt eine rote Linie von oben nach unten, beim anderen dreht sich die Linie um den blauen Punkt.

Die daraus ergebenden Bilder zeigen genau, ob, wo und in welcher Ausprägung ein Makulaödem vorhanden ist.

Mit diesen Bildern geht es dann weiter zur nächsten Untersuchung.

Untersuchung Assistenzarzt

In den Unikliniken, in denen ich bisher behandelt wurde, folgt als nächstes eine Untersuchung eines/er Assistenzarzt/-ärztin. Es wird nach dem aktuellen Wohlbefinden gefragt, ob sich die Sicht subjektiv verschlechtert hat, etc. Dann wird mithilfe der Spaltlampe ins Auge geguckt und eine erste Klassifizierung des momentan Krankheitsstandes ermittelt. Ich frage hier meistens schon alle meine Fragen, die ich jedes Mal mit zu den Untersuchungen nehme. Ist diese Untersuchung abgeschlossen, fehlt nur noch die finale Untersuchung durch den/die Fach- oder Oberarzt/-ärztin.

Untersuchung Fach-/Oberarzt

Die letzte Untersuchung erfolgt durch den/die Fach- oder Ober/-ärztin. Es werden nochmals Fragen gestellt (von beiden Seiten), anschließend wird nochmals in die Augen geguckt und die bisherigen Untersuchungsergebnissen (Sehkraft, Druck, OCT) besprochen. Am Ende der Untersuchung wird über die weitere Medikation und den Zeitraum bis zum nächsten Termin gesprochen. Und das war es dann auch schon.

Bei mir folgt dann i.d.R. eine Terminvereinbarung für die nächste Untersuchung und anschließend geht es heim.

Untersuchungstage sind meist anstrengend, da die weitgetropften Augen sehr helligkeitsempfindlich sind. Sollte Dir also auch eine ähnliche Untersuchung bevorstehen, nimm auf jeden Fall eine Sonnenbrille mit! Egal wie vernebelt der Tag auch sein mag, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du dich über die Sonnenbrille freuen wirst. 🙂

3 Antworten auf “Schau mir in die Augen, Kleines…”

  1. Avatar

    Liebe Lotta,

    ich danke dir von Herzen, dass du dich mit mir in Verbindung gesetzt und nun auch diese wunderbare Seite mit mir geteilt hast – dein Blog ist großartig!

    Du erklärst die Uveitis und deine Geschichte in so einer tollen, bildhaften Sprache, dass man sich richtig gut hineinversetzen kann. Auch, wenn man sich nicht direkt mit rheumatischen Erkrankungen auskennt. Chapeau! Unsere Erfahrungen sind ähnlich, doch habe ich durch deine Beschreibungen selbst noch sehr viel dazugelernt – vor allem in diesem Beitrag über den Hintergrund der verschiedenen bildgebenden Verfahren. Mach bitte weiter so.

    Als ich mit dem Schreiben meines Blogs begann sagte ich mir: und wenn es nur einem Menschen etwas bringt, dann war es die Mühe schon wert. Und hiermit soll auch dir nun eines gewiss sein: einem Menschen hast du bereits geholfen. Denn ich bin dankbar, dass wir uns schreiben und froh, gerade in diesen Zeiten jemanden zum reden zu haben, der sich so gut mit Uveitis auskennt wie du und mich versteht. Es ist schön, dass wir in unserer Grundeinstellung “Schwestern im Geiste” sind, durch unsere Blogs anderen Mut machen und Wissen in die Welt bringen.

    Es gibt immer einen Weg – genau so ist es.

    Alles Liebe <3
    Natascha.

    Antworten

      1. Lotta

        Liebe Natascha,

        vielen herzlichen Dank für deinen tollen Kommentar! Es freut mich auch sehr, dass wir in Kontakt sind.

        Ich finde es super, wenn dir mein Blog gefällt und vor allem, wenn er dir weiter hilft und Du neue Dinge lernst!
        Mein Kopf quillt schon über vor lauter neuen Ideen für den Blog 🙂

        Ganz liebe Grüße
        Lotta

        Antworten

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